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Beziehungskonflikte aufgrund der Corona-Krise?

Beziehungskonflikte aufgrund der Corona-Krise? 16. April 2020Leave a comment

Die aktuelle Situation ist für die meisten Menschen unübersichtlich. In den vergangen zwei Wochen hat sich in meinem und im Leben vieler anderer eine Menge verändert. Veränderung ist per se nicht negativ, allerdings kann zu viel an Veränderung und Verunsicherung eben auch zu Überforderung und Angst führen. Damit haben wir jeder für sich, mehr oder weniger, innerlich eine Menge zu tun. Das führt vermutlich auch zu Beziehungsstress und vermehrt zu Konflikten zwischen Partnern. Wir informieren deshalb heute darüber, wie Sie Beziehungskrisen aufgrund der Corona-Krise vermeiden und handtieren.

Struktur im Alltag und in der Beziehung

Nicht in die Zukunft schauen zu können, nicht zu wissen, wann das alles vorüber ist, führt zu Unsicherheit. Das was uns Struktur und Halt gegeben hat, zum Beispiel regelmäßige Arbeits- und Freizeitphasen, bricht im Augenblick weg. Der Mensch hat allerdings im allgemeinen ein Struktur-Bedürfnis. Zeit will strukturiert und geplant werden. Zeit will auch ritualisiert und aktiv gestaltet werden. Das gilt ebenso für die Partnerschaft. Jetzt ist auf der einen Seite Kreativität gefragt, auf der anderen Seite gilt es zu lernen mit der Ungewissheit und den Ängsten umzugehen. Aufgrund unterschiedlicher Bindungsstile löst diese aktuelle globale Krise eben häufig auch Ängste in der Partnerschaft und konfliktträchtiges Verhalten aus.

Vermeintlich sichere Beziehungen werden im Streit unsicher. Die Angst vor Verlust führt zu Eskalation und intensivem Streit. Die äußeren und inneren Zustände lösen Angst aus und haben einen großen Einfluss auf die Partnerschaft.  Für den einen ist der Rückzug und für den anderen wiederum klammerndes Verhalten eine logische Konsequenz. Die Dynamik die dadurch entsteht, lässt nicht wirklich viel Luft zum Atmen. Was passiert da eigentlich mit uns?

Beziehungsfragen auf einem besonders schwierigen Prüfstand

Regelmäßig und vor allem jetzt in der Krise stellen wir uns in einer Partnerschaft die Fragen:
Wirst du für mich da sein?
Bleibst du bei mir?
Nimmst du mich wahr?
Siehst du mich?
Hörst du mich?

In einem Streit untereinander werden Ängste ausgelöst. Teilweise sogar Panik. Es wird bedrohlich, unsicher, instabil. Alles steht plötzlich auf dem Prüfstand.

Klassische Glaubenssätze die unter Stress daraus folgen, sind:

Du hast mich nicht verdient.
Du wirst nicht da sein für mich.
Du wirst meiner irgendwann sowieso überdrüssig.
Irgendwann wirst du mich verlassen
Alles mach ich falsch – nie kann ich es dir recht machen.
Du liebst mich doch sowieso nicht.

Zwei Optionen scheinen unter Stress den Partnern in solchen Situationen zur Verfügung zu stehen:

  1. Wenn wir befürchten, eine Bindung zu verlieren, ziehen wir uns eventuell auf unseren persönlichen Hochsitz zurück. Von dort oben schauen wir mit der größtmöglichen Distanz herunter und hoffen, dass es bald vorbei ist.
  2. Wir passen uns massiv an, bemühen uns, die Liebe zu verdienen, einzufordern und degenieren zu einem Klammeraffen.

Diese Dynamik ist für beide Seiten sehr, sehr anstrengend. Die aktuellen Ereignisse fordern sowieso schon sehr viel von jedem von uns ab. Die Corona-Krise befeuert die Ängste der beiden Parteien, von außen und innen scheint die Kontrolle ebenso verloren zu gehen.

Wir reduzieren unser Verhalten unter Stress auf Angriff, Flucht oder fallen in eine Schockstarre. Ohne Reflexion und Aktivierung des Erwachsenen-Ichs, welches für die Selbststeuerung notwendig ist, verlieren wir den Bezug zur Realität und klammern uns verzweifelt und aus Angst an alte „Kindheits-Strategien“. So sind wir in einem Beziehungskonflikt im Moment doppelt bedroht. Die Umgebung ist unsicher und unstrukturiert. Die Beziehung selbst empfinden wir in solchen Momenten auch als unsicheres Gelände und wir scheinen wenig in der Hand zu haben, um uns selbst zu beruhigen. Die Emotionen führen dazu, dass die Eskalation nicht aufhaltbar erscheint. Angst steuert mich und meinen Gegenüber.

Der eine Partner fordert, der andere zieht sich zurück. Beide werden getrieben von ihren Ängsten. Das wiederum führt zu Aggressivität, zu Verletzung. In der Regel werden wir in solchen Situationen nicht erst denken und dann handeln. Im Gegenteil, in der Regel werden wir angreifen, uns verteidigen und uns oder den anderen abwerten. Unser Verhalten liegt in früheren Beziehungs- und Bindungserfahrungen begründet. Unsere Lösungen in solch herausfordernden Beziehungskonflikten sind die Strategien des kleinen Mädchens oder des kleinen Jungen von damals. Was können wir tun?

Wege aus der persönlichen Krise

Ein erster Schritt aus dem Beziehungs-Drama heraus besteht darin, dass beide nachvollziehen, was sie da gerade miteinander anstellen und verhandeln. Ein Phasenwechsel im hochemotionalen Moment ist eine Möglichkeit. Dabei nutzt jeder die folgende Zeit für sich, anstatt die Auseinandersetzung direkt und möglicherweise verletztend fortzusetzen. Es geht darum zu verstehen, welche Gefühlen zu der Situation geführt haben. Es geht dabei nicht darum, auf eine „Sachebene“ zu wechseln, sondern sich seinen und den Emotionen des anderen bewusst zu werden. Sprechen Sie Ihre eigenen und die Gefühle Ihres Partners an. Bereits dann haben beide Seiten die Chance, einander besser zu verstehen.

Möchten Sie bei diesem und weiteren Schritten begleitet werden? Gerne stehen wir Ihnen für ein Beratungsgespräch zur Verfügung.

Autor: Peter Bremicker

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